Häufige Fragen bei Mandaten mit Pauschalhonorar

Was ist ein Pauschalhonorar (eine Festvergütung)

Bei der Vereinbarung eines Pauschalhonorars vereinbaren die Parteien, dass vor der Mandatsannahme ein Preis für eine soweit möglich definierte Leistung des Anwalts festgelegt wird.

Was ist im Pauschalhonorar enthalten?

Das Pauschalhonorar besteht aus dem genannten Preis für die genannte Leistung. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer. Auslagen sind ebenfalls im Betrag enthalten. Wenn zum Beispiel gemäss Leistung ein Brief versendet werden muss, werden die Postgebühren nicht noch zusätzlich in Rechnung gestellt.

Was ist nicht im Pauschalhonorar enthalten?

Das Pauschalhonorar gilt nicht für Leistungen und Spesen für Tätigkeiten des Anwalts, welche nicht zu den im voraus definierten Leistungen gehören, sondern daneben separat vereinbart wurden.

Beispiel 1:
Ein Mandant beauftragt den Anwalt für eine Beratung im Verkehrsrecht auf Grund vorhandener Unterlagen. Muss der Anwalt die Unterlagen zum Beispiel beim Strassenverkehrsamt oder bei der Staatsanwaltschaft bestellen, sind der zusätzliche Zeitaufwand und die Spesen (Porto, Kopien usw.) zusätzlich zu entschädigen.

Beispiel 2:
Ein Mandant beauftragt einen Anwalt für eine Beratung in einem Strafverfahren betreffend Vorwurf der Verkehrsregeln, welches die Staatsanwaltschaft durchführt. Wenn nun eine Verfügung des Strassenverkehrsamts angefochten werden muss und dies nicht zu den im voraus definierten Leistungen gehört, sind der zusätzliche Zeitaufwand und die Spesen (Porto, Kopien usw.) zusätzlich zu entschädigen.

Beispiel 3:
Ein Mandant möchte allgemein rund um das Thema Beendigung des Arbeitsvertrages beraten werden (was, wann, wie und wo gemacht oder unterlassen werden soll). Die Beratung erfolgt und später möchte der Mandant, dass eine vom Arbeitgeber ausgearbeitet Aufhebungsvereinbarung überprüft wird. Letzteres ist eine zusätzliche nicht vorab definierte Leistung und muss zusätzlich entschädigt werden.

Haben Sie Fragen, können Sie gerne mit dem Rechtsanwalt vor der Bestellung eines Angebotes durch den Rechtsanwalt Kontakt aufnehmen und abklären, ob etwas zum voraus definierten Leistungskatalog gehört oder nicht.


Muss ich bei der Mandatserfüllung mithelfen und was ist, wenn ich es nicht tue?

Damit der Rechtsanwalt das vereinbarte Mandat erfüllen kann, braucht er eventuell Ihre Mitarbeit/Mitwirkung.

Beispiele:

1. Er braucht Unterlagen von Ihnen und bittet Sie um Zustellung
2. Er braucht eine Auskunft von Ihnen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt
3. Er braucht Ihre Unterschrift (z.B. Vollmacht), bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, damit er handeln kann
4. Er braucht einen Entscheid von Ihnen (Zustimmung oder Ablehnung zu einem Vorgehen) bis zu einem bestimmten Zeitpunkt

Wenn der Rechtsanwalt bei Ihnen aktiv erneut nachfragen muss, etwa, weil Sie ihm keine oder nicht alle Unterlagen zustellten, entsteht dadurch ein Aufwand, der nicht in der definierten Leistung enthalten und zusätzlich zu entschädigen ist.

Kann der Anwalt von mir mehr verlangen, wenn er merkt, dass er zu viel Zeit braucht, die definierten Leistungen zu erbringen?

Grundsätzlich nicht, denn das ist je genau der Zweck und das Ziel, dass Sie die Sicherheit haben, dass es nicht mehr als vereinbart kostet. Wäre eine Abrechnung nach der erfassten Zeit höher als das Pauschalhonorar, darf der Anwalt nicht mehr von Ihnen dafür verlangen.

Vorausgesetzt ist allerdings, dass der Anwalt nur das gemacht hat (und nicht noch weitere Leistungen von ihm mit Ihnen aktiv vereinbart wurden), was den vorher definierten Leistungen entspricht und Sie Ihre Mitwirkungspflicht erfüllt haben.

Kann ich vom Anwalt Geld zurückverlangen, wenn er zwar die vereinbarten Leistungen erbracht hat, aber weniger Zeit brauchte und damit mehr Honorar im Vergleich zu einer Abrechnung nach effektivem Zeitaufwand erhielt?

Dazu ein Beispiel:

Es wird die Erstellung eines Arbeitszeugnisses bestellt. Zurzeit kostet dies pauschal CHF 520.00 plus MWST (Änderungen vorbehalten). Rechtsanwalt Pedolin verrechnet bei Mandaten nach Zeitaufwand einen Stundenansatz von CHF 250.00. Die CHF 520.00 entsprechend also einem angenommenen Zeitaufwand von 2.08 Stunden. Braucht er weniger, kann wegen der Pauschalhonorarabrede dennoch nichts zurückverlangt werden. Umgekehrt aber auch, wenn er mehr Zeit braucht, kann er dennoch nicht mehr verlangen.

Ist ein Erfolg vom Anwalt geschuldet?

Ein Erfolg ist vom Anwalt nicht geschuldet. Der Anwalt schuldet eine sorgfältige Beratung oder ein ebensolches Tätigwerden. Wenn der Erfolg trotz sorgfältigem Vorgehen oder sorgfältiger Beratung nicht eintritt, hat der Anwalt dafür nicht einzustehen.
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