Nichteinhalten Abstand im Strassenverkehr

Rechtsanwalt Pedolin ist spezialisiert auf Strassenverkehrsrechtsfälle. Mandantschaften, denen der Vowurf gemacht wird, sie hätten den gebotenen Abstand nicht eingehalten, berät und vertritt Rechtsanwalt Pedolin recht häufig.

Über 16 Jahre Erfahrung

Rechtsanwalt Pedolin ist schon seit mehr als 16 Jahren (in der Funktion als Rechtsanwalt, vorher als Jurist) in der einen oder anderen Form für die Durchsetzung des Rechts, hier des Verkehrsrechts, für die Mandantschaften tätig.
Art. 34 Abs. 4 SVG

Gegenüber allen Strassenbenützern ist ausreichender Abstand zu wahren, namentlich beim Kreuzen und Überholen sowie beim Neben- und Hintereinander fahren.

Strassenverkehrsrecht – Nichteinhalten Abstand – Rechtsprechung

Es gibt mindestens eine Tendenz, unabhängig von Umständen und Verschulden ab einem Abstand von 0.6 Sekunden oder darunter von einer schweren Verletzung der Verkehrsregeln zu sprechen.
Gemäss BGE 131 IV 133 ist die Wahrung eines ausreichenden Abstands beim Hintereinanderfahren von grundlegender Bedeutung. Das Bundesgericht erwägt im zitierten Entscheid, allgemeine Grundsätze zur Frage, bei welchem Abstand in jedem Fall, d.h. auch bei günstigen Verhältnissen, eine einfache respektive grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 und 2 SVG anzunehmen sei, habe die Rechtsprechung nicht entwickelt. Es verweist betreffend das Vorliegen einer einfachen Verkehrsregelverletzung auf die Faustregel „halber Tacho“ (entsprechend 1.8 Sekunden) sowie auf die Zwei Sekunden-Regel. Weiter verweist es auf die schweizerische Lehre, die vorschlage, einen Abstand von 0.6 Sekunden oder weniger als grobe Verkehrsregelverletzung zu qualifizieren. Demgegenüber bezeichne die Praxis in Deutschland (bei höheren Geschwindigkeiten und über eine Strecke von mindestens ca. 300 Metern) bereits einen Abstand von weniger als 0.8 Sekunden als gefährdend.
Gestützt auf Erwägungen qualifizierte das Bundesgericht einen zeitlichen Abstand von 0.33 Sekunden bei einer Geschwindigkeit von über 100 km/h und einer Strecke von mindestens 800 Metern als grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG (BGE 131 IV 133 E. 3 S. 134 ff. mit Hinweisen). Im Urteil 6B_534/2008 vom 13. Januar 2009 hat das Bundesgericht eine gefährliche Situation angenommen bei einem zeitlichen Abstand von 0.4 Sekunden und einer Geschwindigkeit von 90 km/h, ungeachtet dessen, dass die Fahrzeuge nur kurz derart wenig Abstand hatten.
Ein Motorradfahrer fuhr auf der Autobahn A7, Fahrtrichtung Kreuzlingen mit einer Geschwindigkeit von 86 km/h und fuhr über längere Zeit zum voranfahrenden Lastwagen mit einem Abstand von lediglich 12.7 m. Dies ergibt in zeitlicher Hinsicht einen Abstand von 0.53 s und ist damit im Bereich der groben Verkehrsregelverletzung. Er versuchte mir gegenüber immer wieder zu argumentieren, dass er ja eine viel schnellere Reaktion also ein Lastwagen habe mit seinem leichten Motorrad. Nun ist es aber so, dass Lastwagen keine schlechten Bremsen haben und vor allem die 0.53 s nicht erreicht hätten, um überhaupt schon das Bremsen des Lastwagens zu bemerken und darauf zu reagieren. Ich habe dann als sein Rechtsanwalt natürlich entsprechend argumentiert und geltend gemacht, er sei nicht in nicht Weise hinter einem Wagen Herr gefahren, diesen zur Seite zu bringen, und auch nicht mit 120 km/h unterwegs gewesen. Er sei bei guten Sicht- und ruhigen Verkehrsverhältnissen und trockener Fahrbahn hinter einem Lastwagen gefahren, er einen weiteren Bremsweg habe als ein Motorrad. Da er ständig bremsbereit gewesen sei, sei so möglich, dass er effektiv nicht zu einer erhöhten Gefahrensituation beigetragen habe. Die entscheidende Behörde hat dafür aber erwartungsgemäss (der Mandant hatte Rechtsschutzversicherung) kein Geld gefunden und damit argumentiert, die Faustregel halber Tachoabstand oder 2 s Abstand gelte und gehe also davon weit entfernt gewesen sei. Oft ist es ja so, dass vor allem auf der Autobahn natürlich, wenn man den Abstand einhält, andere Fahrzeuge sich die Lücke drängen und so immer wieder den vorgeschriebenen Abstand verringern. Man ist dann oft in einer Zwickmühle, man kann nicht sofort den Abstand wieder einnehmen, etwa, weil hinten auch einer mit zu wenig Abstand fährt und vielleicht auch noch quasi schläft. Man ist also dem Risiko dauernd ausgesetzt, mit dem Vorwurf einer groben Verkehrsregelverletzung konfrontiert zu werden, auch wenn einem selbst eigentlich nicht vorgeworfen werden kann. Wenn aber jemand sich vor ihnen ohne Einhaltung des vorgeschriebenen Abstands eingeordnet, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als bestmöglich zu versuchen, den Abstand durch verlangsamen wiederherzustellen. Etwas anderes bleibt Ihnen leider nicht übrig. Vor allem gälte das Argument, der andere habe sich falsch verhalten, nicht mehr. Die entscheidende Behörde schaut nämlich nur auf das Verhalten des einzelnen prüft es danach, ob das Verhalten eine strafbare Tat ist oder nicht. Eine so genannte Schuldkompensation mit der Folge der Aufhebung der Bestrafung gibt es im Strafrecht so in der Art nicht.

Welchen Abstand sollten Sie einhalten, damit es eher noch keine grobe Verletzung der Verkehrsregeln ist?

Bei einer groben Verkehrsregelverletzung gibt es neben einer saftigen Busse, der Verurteilung, die Kosten des Verfahrens zu tragen, noch die Massnahme von mindestens 3 Monaten Fahrverbot, und das an einem Stück.

Es ist deshalb sicher wichtig, zu erkennen, ab wann man den Abstand von 0.6 Sekunden zum Vordermann unterschreitet, wobei es wie gesagt, je nach Situation auch sein kann, dass auch bei einem Abstand von mehr als 0.6 Sekunden noch von einer schweren Verletzung der Verkehrsregeln gesprochen werden muss.
Die Formel lautet: Geschwindigkeit in km/h / 3.6 x 0.6, also 50/3.6×0.6

Geschwindigkeit 50 km/h = 13.888m/s, wenn Abstand davon 0.6=< 8.3333m, ca. 2 Fahrzeuglängen; Geschwindigkeit 80 km/h = 22.222m/s, wenn Abstand davon 0.6=< 13.333m, ca. 3 Fahrzeuglängen Geschwindigkeit 120 km/h = 33.33m/s, wenn Abstand davon 0.6=< 20.000m, ca. 4 Fahrzeuglängen erhebliches Risiko grobe Verletzung der Verkehrsregeln = mind. 3 Monate Fahrverbot Das soll keine Einladung zum Fahren mit 0.7 Sekunden usw. sein, denn auch das stellt einen Vertoss dar. Man sollte stets auch zur eigenen Sicherheit 2 Sekunden Abstand halten. Hier geht es darum, aufzuzeigen, welche besonders hohen Risiken man beim Abstand 0.6 Sekunden und weniger auf sich nimmt.

Unterscheidung zwischen leichter, mittelschwerer und schwerer Widerhandlung

Eine leichte Widerhandlung begeht die Person, welche

durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft;

in angetrunkenem Zustand, jedoch nicht mit einer qualifizierten Blutalkoholkonzentration (Art. 55 Abs. 6) ein Motorfahrzeug lenkt und dabei keine anderen Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften begeht.
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht die Person, welche

durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt;

in angetrunkenem Zustand, jedoch mit einer nicht qualifizierten Blutalkoholkonzentration (Art. 55 Abs. 6) ein Motorfahrzeug lenkt und dabei zusätzlich eine leichte Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften begeht;

gegen das Verbot verstösst, unter Alkoholeinfluss zu fahren (Art. 31 Abs. 2bis), und dabei zusätzlich eine leichte Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften begeht;

ein Motorfahrzeug führt, ohne den Führerausweis für die entsprechende Kategorie zu besitzen;

ein Motorfahrzeug zum Gebrauch entwendet hat.
Eine schwere Widerhandlung begeht die Person, welche

begeht die Person, welche

durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt;

in angetrunkenem Zustand mit einer qualifizierten Blutalkoholkonzentration (Art. 55 Abs. 6) ein Motorfahrzeug führt;

wegen Betäubungs- oder Arzneimitteleinfluss oder aus anderen Gründen fahrunfähig ist und in diesem Zustand ein Motorfahrzeug führt;

sich vorsätzlich einer Blutprobe, einer Atemalkoholprobe oder einer anderen vom Bundesrat geregelten Voruntersuchung, die angeordnet wurde oder mit deren Anordnung gerechnet werden muss, oder einer zusätzlichen ärztlichen Untersuchung widersetzt oder entzieht oder den Zweck dieser Massnahmen vereitelt;

nach Verletzung oder Tötung eines Menschen die Flucht ergreift;

ein Motorfahrzeug trotz Ausweisentzug führt.

Ablauf des Strafverfahrens (Varianten möglich, deshalb bitte nachfragen)

Polizei kommt vor Ort, nimmt Anzeige auf, leitet den Fall unter Umständen an die Staatsanwaltschaft weiter.
Staatsanwaltschaft bearbeitet den Fall, macht die Untersuchung (oder beauftragt die Polizei damit), und erlässt nach Anhörung des Beschuldigten einen Strafbefehl. Der Beschuldigte sollte unbedingt die Busse und die Verfahrenskosten nicht bezahlen, solange noch nicht rechtskräftig entschieden ist und der Beschuldigte den Strafbefehl anfechten will, denn sonst gilt eine Einsprache unter Umständen als zurückgezogen.
Auf Einsprache des Beschuldigten gegen den Strafbefehl überlegt es sich die Staatsanwalt nochmals, was sie macht. Diese hält daran fest oder leitet es an das Gericht weiter zur Entscheidung. Das Gericht entscheidet mit einem Entscheid oder Urteil. Dieses kann an die nächste Instanz, zum Beispiel das Obergericht weitergezogen werden.

Massnahmen im Wiederholungsfall

Verwarnung, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis nicht entzogen war und keine andere Administrativmassnahme verfügt wurde.

1 Monat Fahrverbot, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis entzogen war oder eine andere Administrativmassnahme verfügt wurde.
4 Monate, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis einmal wegen einer schweren oder mittelschweren Widerhandlung entzogen war

9 Monate, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis zweimal wegen mindestens mittelschweren Widerhandlungen entzogen war

15 Monate, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis zweimal wegen schweren Widerhandlungen entzogen war

Unbestimmte Zeit, mindestens aber für zwei Jahre, wenn in den vorangegangenen zehn Jahren der Ausweis dreimal wegen mindestens mittelschweren Widerhandlungen entzogen war; auf diese Massnahme wird verzichtet, wenn die betroffene Person während mindestens fünf Jahren nach Ablauf eines Ausweisentzugs keine Widerhandlung, für die eine Administrativmassnahme ausgesprochen wurde, begangen hat;

immer, wenn in den vorangegangenen fünf Jahren der Ausweis nach Buchstabe e oder Artikel 16c Absatz 2 Buchstabe d entzogen war.
6 Monate, wenn in den vorangegangenen fünf Jahren der Ausweis einmal wegen einer mittelschweren Widerhandlung entzogen war

12 Monate, wenn in den vorangegangenen fünf Jahren der Ausweis einmal wegen einer schweren Widerhandlung oder zweimal wegen mittelschweren Widerhandlungen entzogen war;

2 Jahre, wenn durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern bestand, namentlich durch besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, waghalsiges Überholen oder Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen mit Motorfahrzeugen; Artikel 90 Absatz 4 ist anwendbar

Unbestimmte Zeit, mindestens aber für zwei Jahre, wenn in den vorangegangenen zehn Jahren der Ausweis zweimal wegen schweren Widerhandlungen oder dreimal wegen mindestens mittelschweren Widerhandlungen entzogen war; auf diese Massnahme wird verzichtet, wenn die betroffene Person während mindestens fünf Jahren nach Ablauf eines Ausweisentzugs keine Widerhandlung, für die eine Administrativmassnahme ausgesprochen wurde, begangen hat;

Immer, wenn in den vorangegangenen fünf Jahren der Ausweis nach Buchstabe d oder Artikel 16b Absatz 2 Buchstabe e entzogen war.
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